Sagen aus dem Helbetal


(erstellt 28.01.07)

“Die Helbeburg“

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Ganz versteckt unter dichtem Buschwerk erheben sich auf einem hohen Randberge des oberen Helbetales zwei niedere Wälle, die letztenZeugen der Helbeburg.

Hier grüßten einst stolze Zinnen von gewaltigen Mauern weit hinein in das liebliche Helbetal.

Eine feste Burg krönte den steilen Berg am oberen Lauf des Flüsschens.

Dicht an die Felsen geschmiegt lag im Fruchtbaren Tale ein kleines Dörfchen, genannt „Helbe“, und suchte Schutz unter den Mauern und der starken Hand des Ritters. Der Ritter war sehr reich. Gold und Silber füllten seine Schatzkammern und zierten seine Tafel. Wohl niemals hat ein Armer vergeblich an das Burgtor geklopft. Reich beschenkt zog er wieder weiter und verkündete die Güte des Ritters von der Helbeburg in allen Gauen.
Auch seinen Untertanen war er ein freundlicher, milder Herr.
In der Mitte des Burghofes befand sich ein tiefer Brunnen, der den Bewohnern in kriegerischen Zeiten das unentbehrliche Wasser lieferte.

Der Ritter war ein gottesfürchtiger Mann und ritt viel in das nahe gelegene Kloster Dietenborn, um dort in der Gemeinschaft der Mönche zu beten. Um auch in Kriegszeiten nahe dem Kloster zu kommen, ließ er einen langen Gang nach der Heimstätte der frommen Männer graben. Seine Eingänge sind heute noch zu sehen. Das Burgloch führt hinab in den Gang, der im Klosterkeller mündet. So blühten Eintracht und Zufriedenheit lange Zeit in der Burg.

Doch nahten einst gewaltige Feinde und bestürmten die gut verteidigten Mauern. Da aber der Ritter jeden Ansturm tapfer zurückschlug, entschlossen sich die feindlichen Führer zu einer langen Belagerung. Bald wurde Schmalhans in der Burg Küchenmeister, und der Ritter musste zum Endkampf rüsten. Er vergrub seine Schätze im Burghofe und Klostergange.

Bei einem vergeblichen Ausfall drangen die Feinde mit zurückgeschlagenen Verteidigern in die Burg ein. Nach blutigem Kampfe wurde der Ritter mit den Seinen erschlagen. Bald loderten die Flammen aus den Gemächern und verschlangen gierig alle Herrlichkeit. Die Mauern und Zinnen wurden geschleift, und nur Ruinen starrten mit öden Fensterhöhlen über die grünen Wälder. Lange hausten Kauz und Uhu in den zerfallenen Mauerresten.

Eines Tages kam ein ferner Verwandter des Ritters und nahm von den Ruinen und dem Dörfchen „Helbe“ Besitz. Er baute ein festes Schloss auf die alten Grundmauern der Burg und ließ neues Leben entstehen. Doch er war anders gesinnt als sein frommer, wohltätiger Vorfahr. Schwer lastete seine Hand auf dem Besitze seiner Untertanen, und ein wüstes, gottloses Leben wurde im stolzen Schlosse der Helbeburg geführt.

Da gedachte Gott dem Treiben ein Ende zu machen. An einem schwülen Sommertage zogen Pechschwarze Wolken von Westen heran. Drei Tage tobte ein fürchterliches Gewitter über dem Helbetale. Ein Blitz fuhr hernieder, erschlug die Bewohner des Schlosses und steckte es in Brand.

Aber der letzte Ritter fand auch im Tode keine Ruhe unter den Trümmern seines Besitzes. In schwarzer stürmischer reitet er noch heute auf einem Rappen sitzend aus der Tiefe des Burgloches hervor. Finster sein Blick und bleich sind seine Züge. Und während die totenvögel im hohen Tann wimmern, umreitet er sausenden Rittes die Wälle der Burg, um dann im geheimnisvollen Innern des Burgloches unterzutauchen.

Auch sahen einmal Holzthaleber Frauen, die sich beim Grasholen verspätet und verirrt hatten, in dunkler Nacht einen Leichenzug aus dem Burgloch kommen. Kopflose Mönche trugen dem Sarge flackernde Kerzen voraus. Der Zug bewegte sich langsam abwärts dem im Tale liegenden Judenfriedhof, dem Friedhof des zerstörten Dörfchens Helbe zu, wo er lautlos verschwand.

 

(aufgezeichnet von A. Lauterbach, Großbrüchter  /  veröffentlicht: Verlag Rockstuhl - Sagenbuch Dün Helbetal Hainleite)

 

 
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(erstellt 21.01.07)

“Die Glocke von Ingelstedt“

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Von rauschenden Buchenwaldungen, finsteren Tannen und dornigen Hecken umgeben, liegt nördlich zwischen Großbrüchter und Holzthaleben eine ausgedehnte Wüstung, genannt Ingelstedt. Einst soll hier ein freundliches Dörfchen gelegen haben, indem zufriedene Menschen ihr Leben mit den Erträgnissen des kümmerlichen Bodens und der schweren Arbeit des Holzfällens fristeten. Als dann die Furie des 30-jährigen Krieges durch Deutschlands blühende Gaue brauste, wurde auch Ingelstedt ein wüster Trümmerhaufen. Nach Jahren teilten sich die Gemeinden Großbrüchter und Holzthaleben in die Gemarkungen des vergessenen Dörfchens, und die Bewohner beider Dörfer verwandten die Grundsteine der Häuser und Kirche zu Bauzwecken. Da sich der kümmerliche Boden kaum zum Anbau von Feldfrüchten eignete, wurden die Felder von Ingelstedt den Hirten angewiesen.

Einst hütete ein Holzthaleber Schweinehirt seine Herde zwischen den Resten des Dörfchens. Schläfrig stand er zwischen den Steinhaufen und sah in das glühende Abendrot, während die Schweine zwischen den modernden Dungstätten und Haustrümmern nach Nahrung wühlten. Plötzlich zitterte ein leiser, klangvoller Ton durch den Abendfrieden. Erstaunt lauschte der Hirte und vernahm bald wieder den seltsamen Laut, der wie fernes, unterirdisches Glockenläuten klang. Er ging dem Klingen nach und gewahrte eine Sau, die zwischen den Trümmerresten der Kirche in einem größere Loch zu wühlen schien, aus dem die Töne kamen. Eifrig räumte er mit seinem Hirtenstabe den nachrollenden Schutt hinweg und entdeckte den glänzenden Rand einer Kirchenglocke.

Nach harter Arbeit legte er am anderen Tage eine wohlerhaltene Glocke der Ingelstedter Kirche frei.

Da die Dorfreste bei der Verteilung von den beiden Gemeinden nicht berücksichtigt worden waren, entstand ein Streit um den Besitz der Glocke.

Man kam schließlich zu einem sonderbaren Schiedsspruch und wählte einen noch sonderbaren Richter. Die glückliche Entdeckerin der Glocke sollte auch über ihr Schicksal entscheiden. Die Sau sollte an den Fundort gebracht werden, und die Richtung ihres weitern Laufes sollte für den Verbleib der Glocke entscheidend sein.

Ob nun das Borstenvieh gerade einen schlechten Tag hatte, oder ob es mit der leiblichen Versorgung seiner Heimat nicht zufrieden war, wer kann das feststellen? Die Sau schlug unter fröhlichem Grunzen den Weg nach Großbrüchter ein.

Am selben Tage sollen in beiden Dörfern Feste gefeiert worden sein. In Großbrüchter wurde freudig die gewonnene Glocke auf dem damaligen Rathaus, der heutigen Molkerei ( Gebäude Kindergarten ), aufgehängt und eine entsprechende Begrüßungsfeier veranstaltet. In Holzthaleben soll noch am selben Tage eine arme Schweineseele in die ewigen Jagdgründe geflogen sein, allerdings sollen sie mehr schlechte als gute Wünsche begleitet haben.

 

( aufgezeichnet von A. Lauterbach, Großbrüchter / veröffentlicht: Verlag Rockstuhl - Sagenbuch Dün Helbetal Hainleite)


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(erstellt 14.01.07)

“STEINERNE JUNGFRAU“


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Standort: Etwa 3km von Friedrichsrode, im Helbetal am Rand des Waldweges, der bei der ehemaligen Raststätte "Helbe-Haus" in nordwestlicher Richtung steil den Berg hinaufführt, etwa 100m von dem Haus entfernt. Das Steinkreuz steht in einem Naturschutzgebiet und kann nur zu Fuß besucht werden.

Größe / Material: 205:105:16 / Kalkstein

Geschichte: Wird hier die "Steinerne Jungfrau" genannt.

Sage: 1.

Vor vielen Jahren lebte einmal ein Ritter auf der Burg Lohra, der besaß eine liebliche Tochter. Das Mädchen hatte ein gutes Herz und half den Armen, wo sie nur konnte. Nie verließ sie die Burg ohne etwas mitzunehmen; war es einmal ein Laib Brot und ein Stück Wurst, so trug sie das andere Mal ein warmes Tuch bei sich und eine feste Mütze für die Winterszeit.
Das alles verteilte sie an Bedürftige. Bald kannte man sie weithin, und jeder lobte ihr mildes Wesen und ihre hilfreiche Hand.
Nun geschah es aber einmal, dass eine Räuberbande das Land verunsicherte und von dem Mädchen hörte. Alsbald versteckten sich die Strolche in der Nähe von Lohra und lauerten der Ritterstochter auf. Die hatte gerade ein Körbchen mit frischen Eiern gefüllt und kam von der Burg herab durch den Wald geschritten, um eine arme Köhlerfamilie aufzusuchen. Wie sie so nichtahnend ihren Weg entlangging, fielen plötzlich die Räuber über sie her, nahmen ihr weg, was sie bei sich trug und erschlugen sie.
Da erhob sich lautes Wehklagen im Land über den feigen Mord, und es gab keinen, der nicht um das junge Blut trauerte.
Ihr Vater aber ließ an der Stelle, wo die Tochter Ihr Leben lassen musste, einen Stein errichten; darauf war eine Jungfrau mir einem Eierkörbchen abgebildet.

(Die Riesen vom Burgberg, Thüringer Sagen aus der Umgebung von Mühlhausen, Erfurt 1983)

 


Sage 2.

Der letzte Burgherr von Lohra, Graf Heinrich, hatte eine gar wohlerzogene und schöne Tochter, die er einem guten und edlen Manne anzuvermählen gedachte. Adelheid aber, wie die Prinzessin hieß, war noch sehr jung und bekundete wenig Interesse für die vielen Bewerber auf ihres Vaters Burg. Allein dem Ritter von dem Straußberge zeigte sie sich freundlich gegenüber. Er durfte sie zur Jagd bekleiden und ihr beim Spiel die Bälle zuwerfen.
Da die Zeit nun verging und die Verlobung bevorstand, bekam der Burgherr eines Tages Streit mit den Mühlhäusern.
Krieg stand bevor, schon rüsteten die Ritter sich auf der Burg zum Kampfe. Voll Angst um das Leben ihres geliebten Vaters ließ Adelheid den Ritter von dem Straußberge zu sich rufen. Ganz herzlich bat sie ihn, auf den Vater zu achten und nicht von seiner Seite zu weichen bis zum Kampfesende.
Getreulich versprach ihr der Ritter, alles zu tun, wie es von ihm verlangte. Bei seiner Ehre, so sprach er, werde er den Grafen heil wieder zurückbringen oder mit ihm sterben. Gleich darauf brach man auf, und die Jungfer Adelheid sah getröstet der Reiterschar vom Turm herab nach.
Doch die Schlacht nahm für die Lohraer einen ungünstigen Verlauf. So tapfer die Männer des Grafen auch fochten, zum Schluß wurden sie von den Mühlhäusern in die Flucht geschlagen. Viele starben, auch der Graf. Zu Tode von einer Lanze getroffen, sank er vom Pferd. Keiner konnte ihm helfen, am wenigsten der Ritter von dem Straußberge, der weit von dem Grafen abgedrängt focht. So blieb ihm am Abend nichts anderes übrig, als die schreckliche Nachricht Adelheid zu überbringen.
Verzweifelt hörte sie ihn an, dann wand sie sich von ihm ab, empört über seinen Wortbruch. Keine Entschuldigung ließ sie gelten, traurig verließ der Ritter die Burg, sie aber schwur, sich nie zu vermählen. Die Trauer um ihren Vater aber war so groß, daß sie bald danach an der Stelle, wo der Vater den Tod gefunden hatte, ein Steinkreuz setzen ließ.
Dorthin begab sie sich oft und beklagte ihr Leid, das über sie hereingebrochen war.

(Die Riesen vom Burgberg, Thüringer Sagen aus der Umgebung von Mühlhausen, Erfurt 1983)

 


 









 


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